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Auszug aus dem Buch:

"Vom kosmischen Bewusstsein"

von Swami Omkarananda

 

 

 Inhalt

 

Kosmisches Bewusstsein

 

Was ist Yoga und wie erlangt man übernatürliche Kräfte?

 

Über Christentum und Yoga

 

Bewusstsein und Selbsterfahrung

 

 

 

"Vom kosmischen Bewusstsein"

von Swami Omkarananda, S. 20 - 24 und 42 -43:

 

Was ist Yoga, und wie erlangt man übernatürliche Kräfte?

Es gibt viele Missdeutungen und Missverständnisse in bezug auf Yoga. Yoga ist nichts anderes als eine Methode oder ein Weg zur Gottverwirklichung. Yoga vermittelt uns Kenntnisse und Wege, die uns zur unmittelbaren Gotterfahrung führen können. Deshalb ist eigentlich jede Methode, jede Praxis, die uns mit Gott in Verbindung setzt, Yoga. Yoga kommt von dem Sanskritwort "yuj" und bedeutet vereinigen, zusammenfügen. Das innere Sein in uns muss in Verbindung mit der unbegrenzten Gottheit gebracht werden. Das Bewusstsein in uns muss von all den Begrenzungen befreit werden, denen die menschliche Natur unterworfen ist. Und dies Bewusstsein muss mit dem Unendlichen verknüpft werden.

Wenn Jesus uns sagt, "Ich und der Vater sind eins", dann spricht er von dem Weg, der Yoga ist. Wenn unser Auge, das Auge in uns, eins ist mit dem Vater im Himmel, dann ist es eben Yoga. Jede Bedingung oder jedes Verhältnis, in welchem unser inneres Wesen mit Gott verbunden ist, ist Yoga. Yoga ist das, was Verbundenheit, Verbindung, Einheit, Einigung bedeutet. Alle Übungen, alle Praktiken, welche es uns ermöglichen, die Verbindung mit Gott zu erhalten, werden Yoga genannt. Jede Tat oder jegliches Gebet, das mit der Liebe zu Gott verbunden ist, ist Yoga. Jeder Christ, der in innigem Gebet oder Versenktsein mit Gott verbunden ist, ist im Yogazustand; Jede Übung, die uns zu Gott führt, ist Yoga. Jeder Buddhist, der versucht, die Erleuchtung zu erlangen, ist im Yogazustand. Jeder Mohammedaner, der in seiner speziellen Weise die Annäherung an Gott sucht, ist auf dem Yogaweg.

Yoga ist also immer der Weg, auf welchem wir die Verbindung mit Gott suchen. Yoga ist eigentlich weder christlich noch buddhistisch noch mohammedanisch noch hinduistisch. Yoga gehört nicht Indien an. Yoga gehört auch nicht den Europäern, nicht Afrika; es gehört allen Ländern. Es ist das Eigentum der ganzen Menschheit. Wir können also sagen, Yoga ist nichts anderes als jede Praxis, jede Bemühung, die uns mit den unendlichen Kräften der Gottheit in Verbindung bringt. Es ist nichts ausschliesslich Europäisches an der Psychoanalyse. Die Psychoanalyse gehört der ganzen Welt an. So ist auch Yoga nicht allein indisches Erzeugnis, es ist das Eigentum der ganzen Welt. Wenn die Methoden der Ausübung von Yoga auf dem Weg zur Gottverwirklichung einiges enthalten, was uns bei der Einswerdung mit Christus wertvoll erscheint, dann sollen wir sie anwenden. Wenn die Psychoanalyse imstande ist, ein gewisses mentales Gleichgewicht in uns herzustellen, dann sollen wir sie gebrauchen. Deshalb können wir jede Methode, welche uns verfeinert, besser macht, Gott näher bringt oder die Gotterfahrung vermittelt, Yoga nennen.

Was ist nun diese Gottheit, mit welcher uns Yoga in Verbindung bringt, die wir durch Yoga erleben? Gott ist ein unendliches Wesen &endash; in diesem Moment hier gegenwärtig. Die göttliche Gnade umgibt uns von allen Seiten wie eine grosse Flut von Licht. Dieser Gott ist um uns herum, er ist in unseren Herzen, er leuchtet in unseren Augen, er wirkt in unserer Intelligenz. Er ist eine überkosmische Macht von grenzenloser Kraft und Schönheit und zugleich ist Er der Herr, der höchste Herr, der das ganze Universum regiert. Es ist ein überelektronisches Licht, das sich überall befindet und uns mit tausend Augen beobachtet. Diese Gegenwart, diese Allwissenheit, diese Allmacht ist gegenwärtig in jedem Punkt des Raumes. Dieses unbegrenzte Wesen pulsiert in jedem Punkt unseres Wesens. Tausende von Menschen haben den Weg dieser Erfahrung beschritten und haben die Gottheit bezeugt. Tausende von Menschen haben die Gottheit berührt durch ihre Hingabe und durch ihren Wunsch nach Gottverbundenheit.

Und was für sie möglich war, ist möglich für uns alle. Was sie erreicht haben, kann auch von uns erreicht werden... Jeder, der sich nach Gott sehnt und der versucht nach der ihm eigenen Art diese Gottheit zu finden, ist ein Yogi... Die Hingabe ist einer der Wege, Gott zu verwirklichen und dieser Weg der Liebe zu Gott wird Bhakti-Yoga genannt. Ist unser Herz von Gotterkenntnis erfüllt, dann befinden wir uns auf dem Weg des Jnana-Yoga, dem Yoga der Erkenntnis. Mystiker, wie z.B. Meister Eckhart, können Yogi der Erkenntnis genannt werden. Therese von Konnersreuth und die kleine Therese von Lisieux, die voll Liebe zu Gott waren, können Bhakti-Yogi genannt werden. Und diejenigen, welche dienen, welche voll Liebe ihren Weg des Dienens gehen, können Karma-Yogi genannt werden.

So kann jeder Mensch, der sein inneres Gemüt ganz in das Licht Gottes stellt und alle seine Gedanken und Empfindungen beherrscht, ein Raja-Yogi genannt werden. Und wer mit Hilfe gewisser Techniken versucht, die übernatürliche Kraft in seinem Wesen zu entwickeln, befindet sich auf dem Weg des Kundalini-Yoga. Wenn einige unter uns Musiker sind, die sich der klassischen Musik verpflichtet haben und ihre musikalischen Fähigkeiten noch erhöhen und die Musik zur Quelle der Reinigung, der Inspiration und Erhebung machen, die die Musik als Mittel der Gottannäherung gebrauchen und darin Erfolg haben, die können Sangita-Yogi genannt werden.

Es gibt also viele Yoga-Wege: Bhakti, Jnana, Karma, Raja usw. Alle diese Wege werden Yoga genannt, weil sie Mittel der Gottverwirklichung sind. Hatha-Yoga kann ebenfalls als Weg zur Gottverwirklichung bezeichnet werden, unter der Bedingung, dass wir diese Übungen als Mittel zur Gottverwirklichung ausführen. Wenn wir jedoch aus diesem Hatha-Yoga die geistigen Faktoren herausnehmen, dann hört es auf, Yoga zu sein. Denn Hatha-Yoga wurde nur als Mittel zur Gottverwirklichung geschaffen. Hatha-Yoga hatte ursprünglich den Zweck, die übernatürlichen Kräfte in unserem Inneren zu erwecken. Wenn wir aus Hatha-Yoga dessen Tendenz und dessen Zweck der Gottverwirklichung entfernen, dann hört es auf, ein Yogaweg zu sein, dann handelt es sich um blosse körperliche Übungen. Nennen wir diese dennoch Hatha-Yoga, dann können ebensogut die westlichen Gymnastikübungen Yoga genannt werden. Yoga verdient seinen Namen also nur dann, wenn seinen Übungen zum Zwecke der Erweckung der höchsten Kräfte in uns ausgeführt werden. Wenn wir aber die geistigen Faktoren aus Hatha-Yoga herausschälen, dann werden wir später schwere Schädigungen zu ertragen haben. Einige Übungen eignen sich für alle Menschen. Aber auch diese Übungen haben den Zweck, die höheren Kräfte in uns zu erwecken auf dem Wege zum Gotterlebnis. Wenn wir die europäische Gymnastik als Mittel zu Gottverwirklichung benützen, dürfen wir sie Yoga nennen. Jedes Mittel, das uns befähigt, das Göttliche in uns zur Erfahrung werden zu lassen, darf Yoga genannt werden... Wer irgendeinen Bereich der Kunst dazu benützt, in sich die göttlichen Kräfte zu entwickeln, kann zu einem Kala-Yogi werden. Verrichten wir unsere Hausarbeit und benützen wir sie als Mittel zur Gottverwirklichung, dann werden wir Grihasta-Yogis. Machen wie aus unserer Büroarbeit und aus der Arbeit im öffentlichen Leben ein Mittel der Gottverwirklichung, dann sind wir auf dem Weg des Karma-Yoga. Wer hingegen mystische Neigungen hat und ein Einsiedler zu werden wünscht, beschreitet andere spezielle Yogawege, z.B. die des Mantra Yoga. Wer einen göttlichen Namen zur Wiederholung erhalten hat und die Wiederholung dieses Namens als Mittel benutzt, um die göttliche Allgegenwart, Allwissenheit und Allmacht zu erfahren, wird zum Mantra-Yogi. Dieses sind einige der vielen Wege und Mittel der Gotterfahrung...

 

Ängstlichkeit, Unwissenheit, Blindheit jeglicher Art, ungenügendes Wissen sind die Gründe für alle Verschiedenheiten oder Schwierigkeiten zwischen Yoga und Christentum. Jeder Christ ist ein Yogi und jeder Yogi ein Christ. Der Yogi ist der Mensch, der alle jene Schritte erfüllt, von denen wir gesprochen haben, und ein Yogi ist jeder, der von Liebe erfüllt ist; er ist der Mensch, der von Gottwissen erfüllt ist; er ist einer, der furchtlos und von ungewöhnlicher Kraft durchdrungen ist. Jeder Yogi ist der Gärtner, dessen Schau rein ist und in dem die göttliche Liebe ständig pulsiert. Jeder Yogi ist ein Universalmensch; er hat ein mitfühlendes Herz, er ist ein Anbeter der Gottheit, ein Bewohner des Reiches Gottes, ein Mensch makellosen Charakters, erfüllt von allwährendem göttlichem Bewusstsein. Jeder Yogi wird sanft sprechen, er wird weise Worte benützen. Jeder Christ, der ohne Unterlass betet, jeder Christ, der das Göttliche überall sieht, ist ein Yogi.

Alle Religionen sind entstanden durch die Erfahrung von Menschen, die das Gottbewusstsein erlebt haben. Die Weisen und Guten sehen keine Verschiedenheit in diesen Religionen. Denn die Unterschiede sind nicht in den Augen Gottes, auch nicht in den Augen des Christus, auch nicht in den Augen der Yogi, sie sind nicht in den Augen der wirklichen Kinder Gottes. Wir wollen nicht vergessen, dass diese Welt heilig, göttlich ist, dass wir Eisberge im Ozean Gottes sind und dass sich das Reich Gottes, von dem Christus sprach, in uns befindet. Aus diesem Grunde können wir alle so vollkommen werden wie der Vater im Himmel. Und ob es sich um Yoga oder die Bibel handelt, sie lehren uns, die Vollkommenheit zu erreichen. Deshalb sind wir alle gesegnet, unser Glück ist gross, Gott selber ist in uns, Er war immer in uns und mit uns und Er wird auch beim Tode in uns und mit uns sein, denn Er ist untrennbar von uns. Seine grenzenlose Vollkommenheit wird uns nie loslassen, denn wir sind in Seinen Armen, und Seine Arme sind tausend- und millionenfach, sie umfassen uns, auch jetzt. Wir werden beobachtet von Seinen Millionen Augen. Der Ozean weiss alles über jeden Eisberg in ihm. Die Gottheit, die uns zur Existenz gebracht hat, die Gottheit, die unser Ursprung ist: Sie ist allwissend, allmächtig, allgegenwärtig. Allezeit steht sie uns gegenüber.

 

 

 

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